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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2.3.4 Diagnose

Die Vibriose bei Garnelen wird klinisch, bakteriologisch und histopathologisch nachgewiesen (47, 60, 99, 169, 206). Ein zweifelsfreier klinischer Nachweis der Vibriose anhand der Symptome ist aus folgenden Gründen aber nicht immer möglich:

  • Unspezifische Symptome treten nicht nur im Verlauf einer Vibrioseerkrankung, sondern auch bei fast allen anderen Erkrankungen oder Belastungen der Garnelen auf.
  • Spezifische Symptome, die durch pathogene Vibrio spp. hervorgerufen werden, können ebenso die Folge anderer Schadfaktoren sein. So kann die „black gill disease" außerdem durch einen verschmutzten Teichboden, einen niedrigen pH-Wert, einen hohen Nitritgehalt, Schwermetalle (Kadmium, Chrom, Kupfer), Pilze (42) oder Protozoen verursacht werden; das Krankheitsbild der „swollen tail disease" und „red disease" durch Bakterien anderer Gattungen oder Viren (167) und das der „septic hepatopancreatic necrosis" durch Aflatoxine oder grampositive Bakterien ausgelöst werden.
  • Die Vibriose hat als Faktorenkrankheit meist mehrere infektiöse Ursachen; neben Vibrionen findet man bei erkrankten Garnelen zum Beispiel oft das MBV und Parasiten (Zoothamnium) vor (107). Die verschiedenen Mikroorganismen führen zu Mischsymptomen. Lethalität und Mortalität sind ebenfalls keine verläßlichen Indikatoren, da die Verluste sowohl von den Vibrionen selbst als auch von anderen abiotischen und/oder biotischen Schadfaktoren herrühren können.

Der bakteriologische Nachweis der Vibriose (Kulturmethode) findet im fortgeschrittenen Krankheitsstadium statt (32, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 253). Die Garnelen werden desinfiziert und anschließend gut abgespült; kleinere PL werden zerstoßen, von größeren PL werden Proben der Hämolymphe, des Hepatopankreas, der Rückenmuskulatur oder der Kiemen genommen. Aus dem Probenmaterial werden Nativpräparate oder gefärbte Präparate hergestellt und mikroskopisch auf Vibrionen untersucht. Die Beurteilung erfordert eine gewisse Erfahrung und kann allenfalls eine Verdachtsdiagnose begründen.

Zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose müssen die Erreger isoliert werden. Zu diesem Zweck wird das Probenmaterial verdünnt und eine definierte Menge gleichmäßig auf einen festen Selektivnährboden und ein nichtselektives Substrat ausgebracht. Falls keine quantitative, sondern lediglich eine qualitative Erregerisolierung erforderlich ist, kann das Probenmaterial auch direkt ausgebracht werden. Als Selektivnährboden empfiehlt sich TCBS(Thiosulfate-Citrate-Bile-Sucrose)-Agar, als nichtselektives Substrat haben sich ne-ben den gebräuchlichen Nährböden (Nährbouillon, Blutagar, Nähragar) „Marine Agar" (MA) und „Tryphic Soy Agar" (TSA) bewährt (107). Der pH-Wert sollte im neutralen oder alkalischen Bereich liegen, der NaCl-Gehalt mindestens 1,5 bis 2,5 % betragen. Die Anzüchtung der Vibrionen erfolgt bei wenigstens 20 °C unter aeroben Verhältnissen. Nach 12 bis 18 Stunden kann eine Koloniebestimmung durchgeführt werden; auf Blutagar bilden einige Vibrio spp. einen -Hämolysehof. Die Kolonien auf dem nichtselektiven Nährboden werden auf Oxidase geprüft, bei positiver Reaktion handelt es sich um Vibrionen.

Zum Schluß werden die Kolonien gezählt, um einen Hinweis auf die Befallsstärke zu erhalten.

Im Anschluß an Erregerisolierung und Bestimmung der Gattung können verdächtige Kolonien biochemisch eingehender untersucht und schließlich die Speziesdiagnose gestellt werden. Falls ein kommerzieller Testkit verwendet wird, sollten die Keime für die Beimpfung in einer Kochsalzlösung statt in destilliertem Wasser aufgeschwemmt werden. Der bakteriologische Nachweis der Vibriose ist mit gewissen Schwierigkeiten verbunden:

  • Um wirtschaftliche Verluste durch die Vibriose möglichst gering halten zu können, ist eine rasche Diagnose notwendig. Die Kulturmethode ist aber erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium möglich und verhältnismäßig zeitaufwendig. Anstelle des bakteriologischen Nachweises kann auch die etwas schnellere „Indirect fluorescent antibody technique" (IFAT) angewendet werden. Diese Methode hat sich als effektiv und verläßlich herausgestellt, sie ist allerdings etwas weniger sensitiv als die Kulturmethode (77).
  • Saccharosenegative Vibrio spp. werden auf TCBS-Agar deutlich gehemmt oder völlig unterdrückt (zum Beispiel V. hollisae).
  • Nicht alle Vibrio spp. sind oxidasepositiv (zum Beispiel V. metschnikovii).
  • Die Gattung Vibrio enthält zahlreiche Spezies mit zum Teil erheblichen phänotypischen Unterschieden zwischen den Vertretern einer Spezies. Ihre biochemische Identifizierung ist daher relativ aufwendig.
  • Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Bedeutung der identifizierten Vibrio spp. im speziellen Krankheitsgeschehen zu bestimmen. Ihr Vorkommen im Gewebe heißt nicht, daß sie die Hauptursache dieser Erkrankung sind. Fakultativ pathogene Vibrionen treten so oft in Verbindung mit anderen Mißständen auf, daß einige Autoren der Auffassung sind, jede kranke Garnele leide früher oder später an irgendeiner Form der Vibriose. Sind die beteiligten Vibrio spp. besonders virulent, wird man sie aus fast allen Garnelen isolieren können. Man findet dann hauptsächlich eine Spezies. Bei einer Beteiligung weniger virulenter Vibrio spp. sind nicht notwendigerweise alle Garnelen infiziert. In diesem Fall kann man meist mehr als eine Spezies aus den erkrankten Garnelen isolieren; fast immer liegen außerdem offensichtliche schädliche Umweltbedingungen vor.
  • Die meisten Garnelenfarmer kleiner oder mittlerer Betriebe besitzen kein eigenes Labor. Wegen des notwendigen Zeitaufwands (Probennahme, Verpackung, Transport usw.) und aus Kostengründen lassen sie die bakteriologischen Untersuchungen oftmals auch nicht von einem Dienstleistungslabor durchführen.

Ein histopathologischer Nachweis der Vibriose findet anhand der krankhaften Veränderungen der Körpergewebe statt. Die zu untersuchenden Gewebe werden fixiert („Davidson"s fixative" oder „neutral buffered formalin"), getrocknet und in Paraffin eingebettet, Semidünnschnitte hergestellt, diese mit Hämatoxylin und Eosin angefärbt und unter dem Mikroskop begutachtet. Diese Nachweismethode ist ziemlich langwierig und für eine schnelle Diagnose daher nicht geeignet. Der bakteriologische und histopathologische Nachweis der Vibriose kann nur anhand frischer Präparate durchgeführt werden; die Gewebe toter Garnelen werden binnen kurzem unbrauchbar.

Aus den Ausführungen geht hervor, daß eine Diagnose der Faktorenkrankheit Vibriose schwierig und nur unter Berücksichtigung mehrerer Indikatoren (Haltungsbedingungen, Symptome, Ergebnisse der bakteriologischen und histopathologischen Untersuchungen) möglich ist. Um die Bedeutung der einzelnen Indikatoren für das Krankheitsgeschehen richtig einschätzen zu können, muß jeweils eine repräsentative Stichprobe symptomloser und klinisch erkrankter Garnelen untersucht werden. Darüber hinaus benötigt man eine gute Beobachtungsgabe und viel Erfahrung (169). Chanratchakool, Turnbull und Lim-suwan (1994) gehen in ihrem Handbuch „Health Management in Shrimp Ponds" ausführlich auf die Diagnose der Vibriose ein. Sie braucht hier deshalb nicht vertieft zu werden.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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