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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2.3.5 Prophylaxe und Therapie

Da es sich bei der Vibriose der Garnelen um eine Faktorenkrankheit handelt, besteht die Prophylaxe in erster Linie aus einer Reihe allgemeiner Maßnahmen, die zum Ziel haben, die Haltungsbedingungen zu optimieren (47, 60). Dazu gehören:

  • die Vermeidung zu hoher Besatzdichten,
  • ein möglichst streßfreies Handling der Garnelen,
  • eine art- und leistungsgerechte Fütterung mit keimfreiem Futter,
  • die Schaffung und Aufrechterhaltung günstiger Wasserparameter,
  • die Beseitigung giftiger Chemikalien und
  • die Bekämpfung von Schädlingen und Krankheitserregern.

Insbesondere die im Kapitel 2.3.2 (Krankheitsentstehung) aufgeführten Streßfaktoren sind zu vermeiden. Zur Vibrioseprophylaxe zählt ferner die gewissenhafte Durchführung allgemeiner Hygienemaßnahmen wie zum Beispiel die Vektorenbekämpfung, konsequente Einzelteichbewirtschaftung und sorgfältige Desinfektion aller technischen Geräte und Hilfsmittel. Außerdem gehören zur Prävention die tägliche Überprüfung des Gesundheitszustandes der Garnelen sowie regelmäßige Untersuchungen repräsentativer Stichproben an Garnelen, Futter, Wasser und Teichbodenmaterial auf pathogene Vibrio spp., um rechtzeitig therapeutische Maßnahmen einleiten zu können (4, 16, 47, 60, 77, 99, 156, 157, 158, 158, 159, 160, 161, 163, 169, 171, 177, 206, 218, 224, 225, 254, 319).

Eine Therapie der Vibriose ist nur mit Hilfe verschiedener Chemotherapeutika (Antibiotika und Sulfonamide; vor allem Tetrazykline, Oxolinic acid, Chloramphenicol, Neomycin und Furanderivate) und Desinfektionsmittel (wie Formaldehyd, Methylenblau, Malachitgrün, Kupfersulfat, Saponin, Kalk, Ammonium-, Chlor- und Jodverbindungen) möglich (4, 12, 29, 47, 60, 67, 121, 158, 159, 169, 171, 177, 200, 218, 222, 252, 278, 287). Diese werden, um wirtschaftlichen Einbußen entgegenzuwirken, die sich aus suboptimalen Haltungsbedingungen ergeben, im Rahmen des Hygienemanagements der Betriebe immer öfter auch prophylaktisch eingesetzt (121, 200). Die Chemotherapeutika wirken allerdings nur kurzfristig. Gelingt es nicht, die Haltungsbedingungen zu optimieren, müssen sie dauerhaft eingesetzt werden. Sie werden direkt ins Wasser gegeben oder gemeinsam mit dem Futter verabreicht (156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 208, 222). Der Wirkungsgrad der über Futterpellets verabreichten Antibiotika und Sulfonamide ist infolge ihrer raschen Auswaschung und Zersetzung sowie der bereits zu Beginn einer Vibrioseerkrankung reduzierten Futteraufnahme der Garnelen gering. Eine ausreichende Aufnahme der Medikamente durch die Garnelen ist daher nur über eine hohe Dosierung zu gewährleisten. Das führt zu einem erheblichen Anstieg der Kosten.

In der Praxis wird aus Bequemlichkeit, Unwissenheit oder Dringlichkeit des Krankheitsproblems vor der Auswahl eines Chemotherapeutikums in vielen Fällen weder eine Speziesdiagnose noch ein Antibiogramm durchgeführt. Darüber hinaus werden aus wirtschaftlichen Motiven oder aufgrund mangelhafter Anwendungsvorschriften und Kontrollen oft die notwendigen therapeutischen Dosen unterschritten oder eine Behandlung zu früh abgebrochen. Aus diesen und den obengenannten Gründen haben bereits zahlreiche, ursprünglich relativ harmlose Vibrionenstämme Resistenzen gegen die gängigen Mittel entwickelt (16, 60, 178, 188, 295). Die Folge sind immer schwerere Vibrioseerkrankungen der Garnelen (85).

Häufig werden so im Laufe einer Produktionsperiode große Mengen humanwirksamer Antibiotika und Sulfonamide verabreicht, ohne die erforderlichen Wartezeiten zwischen letzter Zugabe und der Garnelenernte einzuhalten. Das kann schwerwiegende Konsequenzen für den Menschen haben. Zum einen bilden humanpathogene Vibrio spp. Resistenzen gegen wichtige humanwirksame Chemotherapeutika. Zum anderen führen die aus wirtschaftlichen Gründen häufig praktizierte Noternte beim Versagen der Therapie und der prophylaktische Einsatz der Chemotherapeutika bis unmittelbar vor der Ernte zu Rückständen in den Garnelen, die beim Menschen Allergien, Vergiftungen, Störungen der natürlichen Darmflora und andere Gesundheitsschäden bis hin zu Krebs hervorrufen können. Die beschriebenen Gefahren für die menschliche Gesundheit haben die USA und Japan, die Hauptabnehmer thailändischer Garnelen, zu verschärften Kontrollen veranlaßt. Viele Partien werden zurückgewiesen; Japan hat zeitweilig einen totalen Einfuhrstopp thailändischer Garnelen verfügt. Die Europäische Union will als erste Maßnahme ebenfalls die Kontrollen verschärfen.

Schließlich führt der hohe Einsatz von Chemotherapeutika in der kommerziellen Garnelenaquakultur nicht nur zu einer Gefährdung des Menschen und der Garnelen, sondern zu einer Bedrohung der gesamten Fauna. Betroffen sind vor allem die Jungfischpopulationen der Küstengewässer und Mangrovenwälder, in die die Abwässer und Sedimente aus der Garnelenproduktion gelangen, aber auch das Wassergeflügel und andere Tierarten, die die resistenten Vibrionenstämme zudem weiterverbreiten. Die neben den Chemotherapeutika eingesetzten Desinfektionsmittel haben einen etwas schlechteren Wirkungsgrad und stellen ebenfalls eine Gefahr für den Menschen und die Garnelen sowie eine Belastung der Umwelt dar. Dies sind einige der wesentlichen Gründe für das Verbot der Garnelenproduktion in Indien durch den Supreme Court 1996 (4, 11, 16, 30, 43, 47, 60, 73, 99, 121, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 163, 169, 177, 200, 203, 208, 218, 227, 278, 317).

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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