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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2.4 Körpereigene Abwehrmechanismen gegenüber Infektionen

Neben pathogenen biotischen und abiotischen Umweltfaktoren entscheiden vor allem die körpereigenen Abwehrmechanismen über den Ausbruch einer Krankheit. Für die Infektionsabwehr stehen dem Organismus prinzipiell zwei Abwehrsysteme zur Verfügung, die Resistenz und die Immunität. Diese sind um so komplexer gestaltet, je höher entwickelt der Organismus ist (257; Abb. 1).

Abb. 1: Körpereigene Abwehrmechanismen, schematisch (Seifert, 1992; modifiziert nach Rolle und Mayr, 1978)

2.4.1 Resistenz und Immunität

Unter Resistenz versteht man die Summe aller angeborenen, unspezifisch gegen eine Vielzahl von Krankheitserregern gerichteten und ständig aktiven Abwehrmechanismen eines Organismus.

Die Resistenz wird in eine absolute und relative Resistenz eingeteilt. Als absolute Resistenz bezeichnet man die völlige Unempfänglichkeit eines Organismus für einen ganz bestimmten Krankheitserreger. Die relative Resistenz kommt durch passive und aktive Resistenzfaktoren zustande. Zu den passiven Resistenzfaktoren zählen Merkmale der Konstitution, das heißt der anatomischen und physiologischen Eigenschaften eines Or-ganismus. Mit ihrer Hilfe werden Krankheitserreger am Eintritt und an der Verbreitung im Organismus gehindert (zum Beispiel durch die Haut und innerkorporale Barrieren), mechanisch beseitigt (zum Beispiel durch Husten, Niesen, Kinozilienaktivität, Sekret- und Exkretfluß) oder unspezifisch bekämpft (zum Beispiel durch die antimikrobielle Wirkung von Sekreten, Exkreten, der Mikroflora und Fieber). Die aktiven Resistenzfaktoren besitzen eine zelluläre und humorale Komponente. Der zelluläre Anteil wird durch ortsfeste, organgebundene oder frei in den Körperflüssigkeiten befindlichen phagozytierenden Zellen (Makro- und Mikrophagen) repräsentiert. Der humorale Anteil besteht aus in den Körperflüssigkeiten zirkulierenden Substanzen, welche die Tätigkeit der phagozytierenden Zellen ergänzen oder stimulieren. Es handelt sich um ein heterogenes Gemisch aus Serumfaktoren (Lysine, Komplement, Opsonin, Properdin und andere), von den phagozytierenden Zellen freigesetzten Enzymen (vor allem Lysozym) und Interferon, ein von Körperzellen gebildeter Stoff. Die zellulären und humoralen Resistenzfaktoren vernichten eingedrungene Krankheitserreger unmittelbar und/oder unterstützen, wie insbesondere die Makrophagen, die spezifischen Abwehrmechanismen in ihrer Aktivität.

Unter Immunität versteht man die Summe aller erworbenen und spezifisch gegen ganz bestimmte Krankheitserreger gerichteten Abwehrmechanismen eines Organismus. Die Immunitätsmechanismen werden erst aktiv, wenn die Resistenzmechanismen eine Ausbreitung der Krankheitserreger im Organismus nicht verhindern konnten. Die Grundlage der Immunität bildet die Antigen-Antikörper-Reaktion, das ist die Bindung eines Antikörpers an sein homologes Antigen oder an ein Antigen mit ähnlicher Struktur (Kreuzreaktion).

Antigene sind den Abwehrsystemen eines Organismus fremd erscheinende Proteine oder Kohlenhydrate. Um antigen wirken zu können, müssen sie verschiedene Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel eine bestimmte Größe und einen starren, komplexen Aufbau haben. Meist handelt es sich um Teile pathogener Mikroorganismen (Geißeln, Kapseln, Kernsubstanzen, Zellwandbestandteile, Zytoplasma), mikrobielle Stoffwechselprodukte (vor allem Endo- und Exotoxine) oder pflanzliche und tierische Gifte. An ihrer Oberfläche besitzen Antigene charakteristische Strukturen, sogenannte antigene Determinanten, an die sich die Antikörper heften.

Antikörper sind das spezifische Reaktionsprodukt des Organismus auf die Zufuhr eines Antigens. Es handelt sich um Proteine mit Lipoid- und Kohlenhydratanteilen, die der -Fraktion zugeordnet werden (Gammaglobuline). Antikörper besitzen sogenannte Antideterminanten, die das spiegelbildliche Gegenstück der entsprechenden antigenen Determinanten darstellen. Auf dieser Tatsache beruht die spezifische Affinität des Antikörpers zu seinem homologen oder einem ähnlichen Antigen und seine Fähigkeit, mit ihm eine feste Bindung einzugehen.

Die Immunität wird in eine passive und aktive Immunität eingeteilt. Die passive Immunität ist das Ergebnis der Übertragung spezifischer Antikörper von einem Organismus mit aktiver Immunität auf einen anderen, noch ungeschützten Organismus. Auf natürlichem Weg geschieht dies zum Beispiel beim diaplazentaren oder kolostralen Übergang mütterlicher Antikörper auf den kindlichen Organismus (maternale Immunität). Die aktive Immunität entsteht natürlicherweise im Verlauf einer Infektion, bei der sich der noch ungeschützte Organismus selbst mit dem Antigen auseinandersetzt und eigene Antikörper bildet. Sie besitzt eine humorale und zelluläre Komponente. Durch antigenverarbeitende und -prä-sentierende Makrophagen aktivierte B-Zellen der sekundären Lymphorgane (Milz, Lymph-knoten, Mesoderm) bilden spezifische, in den Körperflüssigkeiten zirkulierende Immun-globuline (IG, humorale Antikörper). Stimulierte T-Zellen der primären Lymphorgane (Thy-mus, Bursa fabricii, Appendix) erzeugen die IG unterstützende und kontrollierende, spezifische, mit den T-Zellen verbundene und ortsfeste oder frei in den Körperflüssigkeiten bewegliche Killer-, Helfer- und Suppressorzellen (zelluläre Antikörper). Die gebundenen Antigene werden auf verschiedene Arten eliminiert, zum Beispiel durch Agglutination, Präzipitation, Lysis, Inaktivierung und Neutralisation.

Die Leistungsfähigkeit der körpereigenen Abwehrmechanismen ist von zahlreichen Faktoren abhängig. So haben vor allem die Art und Eigenschaften des Krankheitserregers (Kontagiosität, Virulenz und Pathogenität), die Konstitution, Kondition (körperlicher Allgemeinzustand) und Disposition (Krankheitsbereitschaft) des Organismus einen großen Einfluß auf die Infektionsabwehr.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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