fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2.4.2.2 Mechanismen der aktiven Resistenz von Krustazeen

Phagozytose. Der Begriff Phagozytose beschreibt die Anlagerung von Phagozyten an feste Partikel (zum Beispiel Gewebetrümmer, Fremdkörper, Mikroorganismen) und ihre Aufnahme in das Zellinnere durch lokale Einstülpung der Zellmembran oder Ausformung von Pseudopodien, um sie anschließend in Zytoplasmavakuolen enzymatisch und/oder oxidativ abzubauen (226).

Die Phagozytose gehört zu den wichtigsten Abwehrstrategien von Krustazeen (185). Man nimmt an, daß stimulierte SH das kD-76-Protein ins Plasma abgeben, welches in seiner Funktion als Opsonin die Phagozytose der eingedrungenen Partikel durch die HH fördert (220, 221). Eventuell spielen hierbei auch chemotaktische Vorgänge eine Rolle. In verschiedenen Organen, vor allem in den Kiemen und im Endabschnitt des Verdauungstrakts, sitzen außerdem ortsfeste Phagozyten (182).

Zellverklumpung und Kapselbildung. Die Zellverklumpung findet bei einer Überschwemmung des Hämokoels von Krustazeen mit Mikroorganismen statt, die Kapselbildung bei einer Invasion größerer Parasiten (229). In beiden Fällen ist die Kapazität der phagozytierenden Zellen überlastet. Die Zellverklumpung und Kapselbildung stellen somit die wichtigste Ergänzung zur Phagozytose dar. Die eingedrungenen Mikroorganismen respektive Parasiten sollen an einer Verbreitung im Körper gehindert und in engen Kontakt zu den Hämozyten gebracht werden, damit diese sie mit Hilfe antimikrobieller und zytotoxischer Substanzen unschädlich machen können. Der Prozeß der Zellverklumpung und Kapselbildung verläuft in fünf Schritten:

Schritt 1: Erkennen der eingedrungenen Fremdkörper von den SH, eventuell unterstützt durch verschiedene Bindungsproteine.

Schritt 2: Agglutination der Mikroorganismen, zum Beispiel durch Monodin.

Schritt 3: Zellverklumpung und Kapselbildung. Die stimulierten SH schütten initialisierende Komponenten des ProPO-Systems und das kD-76-Protein aus. Daraufhin setzen die GH Komponenten des ProPO-Systems frei. In Gegenwart der eingedrungenen Mikroorganismen oder Parasiten werden die Komponenten des ProPO-Systems und das kD-76-Protein aktiviert. Diese verstärken nun die Exozytose und die Anlagerung der SH und GH in mehreren Schichten um die agglutininierten Mikroorganismen bzw. Parasiten. Vermutlich spielen hierbei auch chemotaktische Vorgänge eine Rolle.

Schritt 4: Vernichtung der eingedrungenen Mikroorganismen oder Parasiten mit Hilfe verschiedener Zwischenprodukte des ProPO-Systems und der von den SH und GH sezernierten antimikrobiellen und zytotoxischen Substanzen. Der dabei stattfindende Prozeß der Melanisierung führt schließlich zu einer charakteristischen braun-schwarzen Pigmentierung der Zellklumpen bzw. Parasiten.

Schritt 5: Zuletzt werden die melanisierten Zellklumpen respektive Parasiten in den Kiemen und im Hepatopankreas abgelagert. Die weitere Entsorgung ist noch nicht geklärt.

Wundverschluß. Krustazeen besitzen ein offenes Hämolymphesystem. Um einen bedrohlichen Hämolympheverlust sowie die Infiltration des Hämokoels mit pathogenen Organismen zu verhindern, müssen Wunden so schnell wie möglich verschlossen werden. Der Vorgang des Wundverschlusses ähnelt dem ProPO-System ohne Melanisierung, das heißt ohne Beteiligung der Phenoloxidase, und besteht aus zwei Mechanismen, der Hämozytenaggregation und der Plasmakoagulation.

Die Prozesse, die zum Wundverschluß führen, sind noch nicht genau geklärt. Man nimmt folgendes an: Aufgrund eines Absinkens der Kalziumionenkonzentration im Plasma und/ oder eingedrungener Mikroorganismen stimulierte Hämozyten lagern sich vermittels aktivierter Lektine (115) zu Aggregaten zusammen und schütten gleichzeitig Komponenten einer Koagulationskaskade aus. Diese Kaskade, bestehend aus Serinproteasen und Transglutaminasen, wird in Gegenwart von Kalziumionen oder Mikroorganismen aktiviert. Über verschiedene Zwischenstufen entsteht schließlich aus einer fibrinogenähnlichen Substanz (Koagulogen) ein fibrinartiger Stoff (Koagulin), der zur Plasmakoagulation führt.

Die Hämozytenaggregation und Plasmakoagulation dienen neben dem Wundverschluß zugleich der unspezifischen Abwehr, da in der entstehenden Masse auch Parasiten eingeschlossen werden können. Verschiedene Inhibitoren, zum Teil Zwischenprodukte der Koagulationskaskade selbst, regulieren dieses System, an dem vermutlich alle drei Hämozytentypen beteiligt sind.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de