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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


2.5.2 Immunprophylaxe der Vibriose bei Fischen

Die Vibriose verursacht, ähnlich wie in der kommerziellen Garnelenaquakultur, hohe wirtschaftliche Verluste in der intensiven Fischproduktion (60, 173, 202, 241). Haupterreger der Vibriose bei Fischen sind V. parahaemolyticus und verschiedene Serotypen von V. anguillarum (8, 49, 272). Es handelt sich wie bei Garnelen um eine Faktorenkrankheit, die erst dann ausbricht, wenn die Infektionsabwehr der Tiere durch hohe Besatzdichten und andere schädliche abiotische und/oder biotische Umweltfaktoren geschwächt ist (100, 238). Symptomatik und Krankheitsverlauf entsprechen ebenfalls weitgehend der Vibriose bei Garnelen (49, 103, 129, 240, 301).

Über die Entstehung einer Vibrioseerkrankung ist auch bei Fischen noch sehr wenig bekannt (241). Die meisten Autoren nehmen an, daß die Erreger oral oder über kleinere Verletzungen der Haut in den Organismus eindringen (89). Horne (1982) hält einen Infektionsweg über die Kiemen am wahrscheinlichsten. Virulente Formen von V. anguillarum sind unempfindlich gegenüber der antimikrobiellen Wirkung von Komplement (302) und Phagozyten. Munn, Ishiguro, Kay und Trust (1982) vermuten, daß diese Widerstandsfähigkeit wesentlich durch das sogenannte A-layer-Protein" verursacht wird. Auf diese Weise gelingt es den Erregern der Vibriose, die erste Barriere der Infektionsabwehr von Fischen, die Resistenz, zu durchbrechen und gleichzeitig eine Immunantwort zu verzögern. Viele Mikroorganismen produzieren spezielle Moleküle, Siderophore genannt, die mit dem Wirtstransferrin um Eisen konkurrieren (91). Pathogene V. anguillarum-Stämme besitzen ein Plasmid, welches die Produktion eines solchen Siderophors kontrolliert und das Bakterium befähigt, das für sein Wachstum benötigte Eisen der Umgebung des Wirtes zu entziehen (70, 71).

Die Mechanismen der Infektionsabwehr von Fischen sind noch nicht vollständig geklärt; es gibt widersprüchliche Foschungsergebnisse. Einig sind sich die Autoren darin, daß Fische sowohl über eine Resistenz als auch über eine lokale und systemische Immunität verfügen und Antikörper bilden können. Für das Überleben der Fische unter natürlichen Bedingungen scheinen jedoch die Resistenzfaktoren wesentlich bedeutsamer zu sein als die Immunitätsfaktoren (4, 8, 197, 228, 241).

Versuche mit V. anguillarum haben gezeigt, daß die für die serologische Einordnung verantwortlichen, hitzestabilen LPS der Zellwand die Immunität bei Fischen induzieren. Sie werden während des Kulturwachstums in das Medium abgegeben. Man kann sowohl mit gewaschenen Zellen als auch mit dem Kulturüberstand eine Immunität bewirken. Seit den 80er Jahren stehen der Praxis verschiedene handelsfertige Vibrioseimpfstoffe auf der Basis von inaktiviertem V. anguillarum-Antigen zur Verfügung. Es handelt sich überwiegend um polyvalente, formalininaktivierte und gereinigte Bacterine (7, 89, 150, 191, 263).

Die stark immunogen wirkenden LPS können über alle Applikationsverfahren Schutz gewährleisten. Eine parenterale Verabreichung der Antigene über die intraperitoneale Injektion (IP) ist ein besonders wirksames Immunisierungsverfahren bei Fischen ab einem bestimmten Gewicht (25 g). Wegen des hohen Aufwandes wurde diese Methode anfangs nur in kleineren Beständen und bei Zuchttieren angewendet. Seit Einführung der Multidosierspritze setzt sich die IP zunehmend auch in größeren Fischbeständen durch. Eine Impfstoffapplikation über das Wasser führt ebenfalls zu guten Ergebnissen. Man unterscheidet Kurzzeitbad, Dauerbad und Dipping. Beim Kurzzeitbad verbleiben die Fische einige Minuten bis wenige Stunden, beim Dauerbad mehrere Stunden bis Tage im Antigenbad (verdünnter Impfstoff). Beim Dipping werden die Fische sekunden- bis minutenlang in ein Antigenbad gesetzt. Eine Variation des Dippings stellt die hyperosmotische Infiltration (HI) dar. Diese Technik induziert selbst bei hoher Antigenverdünnung einen guten Immunschutz. Bei der Ein-Schritt-HI kommen die Fische in ein hyperosmotisches Bad, das auch die Antigene enthält. Bei der Zwei-Schritt-HI werden die Fische erst in die hyperosmotische Lösung und anschließend in das Antigenbad gesetzt. Die HI bietet wenig Vorteile gegenüber dem einfachen Dipping, ist jedoch mit zeitlichem und kostenmäßigem Mehraufwand und großem Streß für die Tiere verbunden. Daher wird diese Methode in der Praxis kaum noch angewendet. Neben dem Dipping ist auch die Spraymethode geeignet, erfolgreich gegen die Vibriose zu impfen. Dabei werden die Fische bei unterschiedlichem Druck mit verdünntem Impfstoff besprüht. Eine orale Antigengabe über das Trockenfutter ist zwar möglich, im Vergleich zu den anderen Impfverfahren aber weniger wirksam; der Immunschutz ist nur von kurzer Dauer, und es sind relativ große Antigenmengen einzusetzen (16, 89, 150, 191, 263). Kawai, Yamamoto und Kusuda (1989) dagegen entwickelten ein Verfahren, formalininaktivierte Vibrionenzellen an Zooplankton zu binden, und erzielten mit der Verabreichung dieses so behandelten Lebendfutters an Fischlarven einen guten Vibrioseschutz.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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