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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


3 Eigene Untersuchungen

3.1 Aufgabenstellung

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Produktion von Garnelen zu einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren Thailands entwickelt. In jüngster Zeit häufen sich aufgrund der hohen Besatzdichten in den intensiv genutzten Teichen die Krankheiten und führen zu einem starken Anstieg der Produktionskosten. Eine ähnliche Entwicklung hatte zwischen 1987 und 1989 zu einem völligen Zusammenbruch der Garnelenaquakultur in Taiwan geführt (155). Da der Export von Garnelenprodukten am Gesamtexport Thailands zwischenzeitlich einen erheblichen Anteil hat, ist eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der thailändischen Garnelenproduzenten auf dem Weltmarkt von großer volkswirtschaftlicher Relevanz. Die Auswirkungen von Krankheiten, in erster Linie durch die Vibriose, auf die Wirtschaftlichkeit der Garnelenproduktion in Thailand läßt sich an folgender Berechnung ablesen (Abb. 3):

Abb. 3: Ertrags-Aufwands-Kalkulation in der Garnelenproduktion (Ergebnis einer Erhebung in zwei intensiven Garnelenfarmen im Süden Thailands)

Erlös Ertrag
(kg/ha)
Erlös
(Baht/ha)
Erlös
(Baht/kg)
verkaufte Garnelen 8.000 1.600.000 200
Kosten Kosten
(Baht/ha)
Kosten
(Baht/kg)
%
PL 80.000 10,00 8,8
Futter 400.000 50,00 44,2
Chemikalien (Düngemittel, Medikamente, Desinfektionsmittel) 100.000 12,50 11,0
Elektrizität 150.000 18,75 16,6
Arbeitskosten 110.000 13,75 12,2
Reparaturen 30.000 3,75 3,3
Sonstige Kosten (Abschreibungen usw.) 35.000 4,38 3,9
Summe Kosten 905.000 113,13 100,0
Bruttogewinn 695.000 86,87

Zwischen 1993 und 1995 entsprach 1 DM etwa 15,61 bis 16,73 Baht

Im Bruttogewinn sind die Kreditzinsen noch nicht berücksichtigt. Die Rentabilität in den den Erhebungen zugrundeliegenden Jahren 1993 bis 1995 war demnach sehr gut. Ein Ertrag von 8.000 kg/ha und ein Erlös von 200 Baht/kg Garnelen sind derzeit aber kaum noch zu erreichen. In der Tendenz sind die Erträge in den intensiven Garnelenfarmen rückläufig. Das hängt vor allem mit den hygienischen Problemen, insbesondere mit der Ausbreitung der Vibriose zusammen. Die Garnelenfarmen ernten häufig nur noch 3.000 bis 4.000 kg/ha. Damit produzieren sie bei einem Preis von 200 Baht/kg bereits mit Verlusten, da auf der Kostenseite kaum Einsparungen möglich sind. Der Preis von 200 Baht pro kg ist ebenfalls günstig. Er hängt zum einen von der Marktsituation, vor allem aber von der Qualität der Garnelen ab.

Für die Wirtschaftlichkeit spielt auf der Kostenseite die Hygiene eine entscheidende Rolle. Die Tierausfälle wirken sich direkt oder indirekt auf die Höhe der Aufwendungen für PL, Futter und Chemikalien aus. Das sind immerhin 64 %, also etwa zwei Drittel der gesamten Kosten. Damit wird die Bedeutung der Bekämpfung der Vibriose, die unter den Krankheiten dominiert, deutlich. Die Garnelenfarmer versuchen bisher, der Vibriose mit allgemeinen Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen und dem Einsatz von Desinfektionsmitteln und Chemotherapeutika zu begegnen (12, 29, 60, 158, 160, 252, 287).

Der hohe Einsatz von Chemotherapeutika in der modernen, intensiven Garnelenaquakultur ist mit gravierenden Nachteilen verbunden. Chemotherapeutika haben zum Teil giftige Nebenwirkungen für die Garnelen und können zu gesundheitsgefährdenden Rückständen in den Garnelen sowie zu Resistenzen pathogener Vibrionenstämme führen. Sie gefährden daher nicht nur die Garnelen selbst, sondern auch die übrige Tierwelt und den Menschen. Um Rückstände zu verhindern und die Wirksamkeit wichtiger humanwirksamer Antibiotika und Sulfonamide auf Dauer zu erhalten, wären zum Schutz des Menschen Wartezeiten zwischen letzter Zugabe und der Garnelenernte sowie Restriktionen in der Auswahl zulässiger Mittel notwendig. Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Untersuchungen gibt es in der Garnelenproduktion diesbezüglich lediglich grobe Richtlinien. Mangelhafte Vorschriften und Kontrollen begünstigen einen leichtfertigen Einsatz dieser Mittel in der Praxis. Ihre bedenkenlose Anwendung hat unter anderem bereits zu einer Ausbreitung immer schwererer Formen der Vibriose bei Mensch und Tier geführt.

Der präventive Einsatz von Chemotherapeutika ist zudem keine sichere Methode zur Verhütung von Infektionskrankheiten. Werden sie kurativ verabreicht, können Chemotherapeutika Verluste durch die Vibriose naturgemäß bestenfalls verringern, nicht aber verhindern. Eine ausreichende und gleichmäßige Behandlung aller Tiere eines Bestandes über das Futter ist wegen des mehr oder weniger stark reduzierten Appetits erkrankter oder gestreßter Garnelen nicht möglich. Chemotherapeutika besitzen einen schlechten Wirkungsgrad, sind nicht spezifisch und helfen nur kurzfristig, so daß sie permanent verabreicht werden müssen. Diese Tatsachen führen zu einem erheblichen Anstieg der Produktionskosten (4, 11, 16, 30, 47, 60, 85, 99, 121, 157, 158, 169, 177, 178, 188, 200, 203, 208, 218, 227, 278, 295, 317).

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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