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Dr. Claudia Bechteler: Versuche zur Immunisierung von Garnelen (Penaeus monodon) gegen Vibrioneninfektionen


Allen Versuchen war gemeinsam, daß die Garnelen auf das mit der Impfung verbundene Handling und den Impfstoff in höheren Konzentrationen sehr empfindlich reagierten. Das äußerte sich visuell in einem typischen Streßverhalten der Versuchstiere im Antigenbad und zum Teil in erhöhter Mortalität. Auf diese Problematik wird in der Literatur zur Immunisierung von Garnelen im Kurzzeitbad nicht eingegangen, lediglich bei Astia Ltd. findet sich ein Hinweis darauf. Fische scheinen gegenüber dieser Art der Impfstoffapplikation weniger empfindlich zu sein. Trotzdem wird auch hier der Streß durch das mit der Impfung verbundene Handling erwähnt.

Nach diesen Erfahrungen muß bei der kommerziellen Anwendung des Vibrioseimpfstoffes die Applikation an die Garnelen über das Kurzzeitbad möglichst schonend durchgeführt werden. Das kann zum Beispiel in der Brüterei geschehen, indem die PL direkt in den Aufzuchtbecken geimpft werden. Mit Hilfe eines geeigneten Verfahrens können die Garnelen im Becken verbleiben und müssen nicht umgesetzt werden. Eine andere Möglichkeit wäre, Artemialarven anstelle der PL im Antigenbad zu impfen und diese dann als Lebendfutter an die Garnelen zu verabreichen. Diese „bioencapsulation" wird zur Verabreichung von Impfstoffen und Antibiotika bei Fischen bereits durchgeführt. In etwas abgewandelter Form ist die Methode auch in einem ersten Versuch zur oralen Immunisierung von Garnelen gegen die Vibriose über impfstoffangereichertes Trockenfutter erfolgreich angewendet worden. Die Verträglichkeit des Impfstoffes selbst kann durch Hitzeinaktivierung der Bakterien und Toxine, bei der keine schädlichen Formalinrückstände im Impfstoff verbleiben, verbessert werden.

Unabhängig von der Wirkung des Impfstoffes kommt der Qualität der PL, der Verpackung, dem Transport und Wasserwechsel sowie den allgemeinen Haltungs- und Hygienebedingungen in Bezug auf die Überlebensrate der Garnelen großes Gewicht zu. Dies konnte an den Kontrolltieren, die dem Impfstoff nicht ausgesetzt waren, nachgewiesen werden. Das bedeutet, daß Verträglichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffes beim praktischen Einsatz durch diese Faktoren positiv oder negativ überlagert werden können.

In den Versuchen konnte eine höhere Überlebensrate der geimpften Garnelen gegenüber den Kontrolltieren sowohl nach einem Tag und nach einer Woche als auch noch nach drei Monaten festgestellt werden. Aus der Literatur geht hervor, daß der Aufbau einer aktiven Immunität bei Fischen und Krustazeen mindestens ein bis zwei Wochen in Anspruch nimmt. Daher muß man sich den zeitlichen Verlauf der Impfstoffwirkung wie folgt vorstellen: Unmittelbar nach der Applikation wirkt sich der Impfstoff in einer Chemostimulation aus. Gleichzeitig beginnt sich eine aktive Immunität aufzubauen. Sie erreicht nach einiger Zeit ihre volle Wirkung und klingt dann wieder ab, sofern der Immunschutz nicht durch laufende natürliche Boosterungen aufrechterhalten wird. Dies traf im Feldversuch zu, da über die gesamte Produktionsperiode Vibrioseerreger im Teichwasser nachgewiesen werden konnten. Die Ergebnisse bestätigen die Arbeitshypothese dieser Untersu-chungen, daß Garnelen sowohl über eine Resistenz als auch über eine aktive Immunität verfügen.

Die Laborversuche haben ergeben, daß eine Impfstoffkonzentration zwischen 0,2 % und 0,25 % ein Optimum darstellt. Der Feldversuch zeigt jedoch, daß man die Verträglichkeit und den kurzfristigen Effekt einer Impfung auf die Überlebensrate nicht überbewerten darf. Denn die unter Laborbedingungen gefundene Überlegenheit einer Impfstoffkonzentration von zum Beispiel 0,25 % hat sich hier nicht bestätigt; vielmehr hat sich eine Konzentration von 0,5 % als langfristig besser herausgestellt. Diese Beobachtungen stimmen mit der in Kapitel 3 schematisch dargestellten Beziehung zwischen Impfung und Überlebensrate überein. Danach ist unmittelbar nach einer Impfstoffapplikation, vor allem bei hoher Konzentration, eine erhöhte Mortalität zu erwarten. Dieser „Einbruch" in der Überlebensrate wird durch den Effekt der Chemostimulation mehr oder weniger stark gedämpft. Mit zunehmender Produktionsdauer nimmt dann die relative Überlegenheit der geimpften Garnelen im Vergleich zu ungeschützten Tieren zu, was sich in einer verringerten Mortalität und besseren Gewichtsentwicklung niederschlägt.

In den Laborversuchen wurde festgestellt, daß sich Impfstoffkonzentration und Einwirkungszeit in bestimmten Bereichen gegenseitig ersetzen können. Wenn sich diese Beobachtung verallgemeinern läßt, hätte es den großen praktischen Vorteil, daß man mit geringeren Konzentrationen arbeiten könnte. Das würde sich aufgrund der höheren Überlebensraten und geringeren Impfstoffkosten günstig auf die Wirtschaftlichkeit einer Impfung auswirken. In weiteren Versuchen wären die optimalen Bedingungen für eine Impfung im Kurzzeitbad zu klären, wobei insbesondere die optimale Kombination aus Impfstoffkonzentration und Einwirkungszeit bestimmt werden müßte.

In der vorliegenden Arbeit wurden Versuchsanstellungen gewählt, die im Rahmen dessen liegen, was methodisch und inhaltlich auf dem Gebiet der Immunisierung von Garnelen bisher üblich war. Unkonventionelle Versuchsanstellungen, wie zum Beispiel die Wahl extremer Konzentrationen, könnten durchaus neue Erkenntnisse bringen.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 21. November 2005
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